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PAGE 04/2008
Wandelbare Identitäten
Die Anforderungen an Logos ändern sich angesichts wirtschaftlicher, technischer und kommunikationsstrategischer Entwicklungen. PAGE gibt Orientierungs- und Argumentationshilfen für die Gestaltung zeitgemäßer Zeichen
Von Jutta Nachtwey
Werbeblock
Mit Markenassoziationen spielt die Gemäldeserie "Werbeblock" (108 Motive, Spray auf Leinwand) des Künstlers Konstantin Voit (www.malfabrik.de). Auf den ersten Block erscheint alles bekannt, auf den zweiten eher irritierend. Ganz ohne Wortmarken aktivieren die Zeichen das Brand-Gedächtnis des Betrachters. Voit verwendet Elemente aus bekannten Logos - die Schablonen hierfür ließ er aus Folie plotten -, verfremdet sie aber, indem er sie mit Formen aus rund 3000 Kinder-Malschablonen kombinierte, die er in 13 Jahren gesammelt hat. So erkennt man zwar eine gewisse Verwandtschaft zum Marken-Bootlegging der neunziger Jahre, mit der Zusammenführung zweier Bildsprachen geht Voit aber einen eigenen Weg. Bei manchen Firmenzeichen, etwa Bacardi, tauscht er einfach das Signet-Tier gegen das entsprechende aus den Kinderschablonen aus, bei anderen, etwa bei Lufthansa, wählte er statt des Kranichs einen Kolibri. Manchmal kommen Bildzeichen dazu, die das Kerngeschäft der Marke untermalen, manchmal aber auch die Erwartung des Betrachters durchbrechen, oder auch ironische Aspekte - im Knorr-Zeichen steht ein knurrender Hund. Es gibt also längst nicht nur eine Decodierungsart, denn trotz der Liebe für die Schablone funktionieren die Zeichen eben nicht nach Schema F.
© PAGE - Ausgabe 04/2008
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SCHÖN & GUT, Ausgabe 2007/2008
Eine Sache des Gefühls
Mein erstes Bild oder: Wie kauft man eigentlich Kunst?
Von Eva Mayer
Da stehen blasierte Menschen mit einem Sektglas in der Hand und unterhalten sich in einer Sprache aus Codewörtern über das, was da so an der Wand hängt und auf dem Boden steht. Eine fremde Welt? Zugegeben, der Zugang zu moderner Kunst ist nicht immer einfach. Es wäre aber schade, wenn man deshalb lieber auf Nummer sicher gehen und sich den Blauen Akt von Matisse übers Bett hängen würde. Denn Kunst zu sammeln kann richtig Spaß machen: Satt Massenware hat man ein Werk, das einen ein Leben lang begleiten kann. Nur Mut! raten wir und erklären, worauf man beim Kauf achten sollte.
Woran erkennt man überhaupt Kunst? "Am Preis", meinte Turner-Preisträger Jeremy Deller einmal lapidar. Ganz so einfach ist es zum Glück nicht. Bei "Kunst" handelt es sich auch nicht um eine dem Objekt innewohnende Qualität, die das geübte Auge des Experten auf mysteriöse Art herausschält. Kunst ist Konvention: Was heute für belanglos gehalten wird, kann morgen unbezahlbar sein. Das wohl bekannteste Beispiel ist Van Gogh, der zu Lebzeiten kaum ein Bild verkaufte und dessen Werke heute auf dem Kunstmarkt mehrstellige Millionenbeträge erzielen.
Selbst für gestandene Sammler ist Kunstkauf eine höchst emotionale Angelegenheit. Nicht der Preis oder der Name zählt - entscheidend ist das individuelle Gefül, darin sind sich die Experten einig. "Ein Werk muss vor allem den eigenen Qualitätskriterien entsprechen" betont Martin Stather. Der Leiter des Mannheimer Kunstvereins rät dennoch von Spontankäufen ab: "Oft gefällt einem etwas auf den ersten Blick, aber nach ein paar Tagen bleibt außer einem oberflächlichen Reiz nichts übrig. Ein Kunstwerk muss einen länger beschäftigen."
Hat man in einer Galerie oder in einer Ausstellung eine Arbeit entdeckt, die einem gefällt, solte man zunächst einen Blick auf die Biografie der Künstlerin oder des Künstlers werfen und sich mit deren Werk intensiver auseinandersetzen. Ausbildung, Preise, und bisherige Ausstellungen können ein guter Indikator für den Wert und die Reputation der Arbeit sein. Bei echtem Interesse - und gerade bei jungen und weniger bekannten Künstlern - sollte man sich nicht scheuen, einen Atelierbesuch zu vereinbaren. Eine gute Schule, um in das Thema "Moderne Kunst" hineinzuwachsen und einen Überblick zu bekommen, ist der Besuch von Kunstmessen und großen Ausstellungshäusern. "Wie wird man Weinkenner? Indem man viel probiert! Mit Kunst verhält sich das genauso", meint Friedrich W. Kasten. Sein erstes Bild hatte der damals noch unkundige Sammler und heutige Leiter des Mannheimer Galerienverbandes auf Raten bei einem Heidelberger Künstler gekauft - irgendwann landete es dann auf dem Flohmarkt.
Auch für den Kunstkenner zählt in erster Linie, dass man sich in einem Werk wiederfindet: "Ein Kunstwerk ist nicht fertig! Sondern ein Angebot zur Wahrnehmung, das erst durch den Rezipienten vollendet wird", meint Künstler Konstantin Voit. Und ist es eigentlich legitim, ein Bild farblich passend zum Sofa zu kaufen? "Durchaus!" findet Voit, der die Kunst nach Wunsch zum Prinzip seiner "Malfabrik" erhoben hat. Der Absolvent der Hamburger Kunstakademie gestaltet mit Motiven und Buchstaben aus Kinderschablonen individuelle Kunstwerke nach Maß.
© SCHÖN & GUT - Ausgabe 2007/2008 (Beilage des Stadtmagazins MEIER)
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[Blick in die Ausstellung]
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MANNHEIMER MORGEN vom 5. September 2007
Kunst aus der Warenwelt
Mannheim: Schablonenbilder von Konstantin Voit im Markthaus
Von unserer Mitarbeiterin Hanna Fischer
Vor fast 15 Jahren fing die Sammelleidenschaft von Konstantin Voit an: Kindermalschablonen haben es dem Mannheimer Künstler angetan - derzeit sind es 3000 Stück. "Die weltgrößte Sammlung", wie er selbst sagt. Seit 1995 sind die Plastik-Schablonen Voits Arbeitsgerät, das in seiner 1995 gegründeten "Malfabrik" zum Einsatz kommt.
Einen Einblick in sein Werk bekommen jetzt die Markthaus-Besucher: An einer Wand in dem Second-Hand-Kaufhaus hängen 96 Bilder eines seiner Projekte. Unter dem Motto "Kunst für alle!" zeigt jedes Exponat in DIN A4-Größe ein auf Leinwand gespraytes Werbelogo, das man auf Anhieb zu erkennen glaubt. Mit einem zweiten Blick aber wird klar: Jedes Bild ist verfremdet und variiert.
"Durch die kleinen Veränderungen des allseits Bekannten erreiche ich eine Irritation und damit Signalwirkung", so Voit. Der Zwischenbereich zwischen Logo und Bild sei das Spannende, mit dem das Unterbewusstsein aufgerufen werde. Im Piktogramm von "Klosterfrau Melissengeist" findet sich beispielsweise keine Nonne, sondern ein englischer Gardesoldat, auf dem Knorr-Symbol ist ein Terrier platziert, und der Schriftzug von "Tempo" wurde durch einen Schnellzug ersetzt.
Für den Maler ist jedes seiner Werke ein Zeitdokument. Die schnellebige Konsum- und Warenwelt bringt es mit sich, dass sich die zwischen 2001 und 2003 entstandenen Logos rasch wandeln - so kommt es, dass teilweise Symbole zu sehen sind, deren Marken oder Firmen es bereits gar nicht mehr gibt.
Angefangen hat alles mit einer "Urschablone", die Voit eher beiläufig gefunden hat. Als Stein des Anstoßes ließ die Plastikschablone mit Verkehrsmotiven den ersten "Block" des Künstlers entstehen, den er 1995 an seinem Studienort, der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, präsentierte. Seither sind neun weitere Themenblöcke entstanden, die sich allesamt mit geraden Linien und mit konstruktiven Aspekten der Malerei auseinandersetzen.
Voit konzentriert sich in seiner Arbeitsweise an industriellen Fabrikationsprinzipien; demnach werden Waren und Gegenstände nach standardisierten Verfahren hergestellt. Das erklärt auch die wichtige Bedeutung der DIN-Formate, an denen sich der Malert stets orientiert.
Im Markthaus ist Kunst bereits seit der Gründung vor zehn Jahren präsent. Integriert in die Verkaufsräme werden etwa zwei bis vier Ausstellungen im Jahr gezeigt, denen eines gemeinsam ist: Sie sollen in direkter Verbindung mit dem Second-Hand-Kaufhaus stehen, wie Geschäftsführer Thomas Weichert betont. Mit den Bildern von Voit sei das ja in jedem Fall gegeben. "Die Ausstellungen sollen Plattformen für Kommunikation sein", erklärt Weichert. Schließlich gingen tagtäglich viele Menschen im Markthaus ein und aus.
© MANNHEIMER MORGEN - 05.09.2007
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MANNHEIMER MORGEN vom 7. Dezember 2006
Die Eroberung des Raumes
Erste Biennale für zeitgenössische Kunst Rhein-Neckar präsentiert eine spannende und vielfältige regionale Szene
Von unserem Redaktionsmitglied Nina Haas
In der Mitte ein Christbaum. Behängt mit allerlei Goldkugel-Schick, ragt er in die Empfangshalle.
Ein Kunstwerk soll er nicht sein, zur ersten Biennale für zeitgenössische Kunst der Metropolregion Rhein-Neckar
im Mannheimer Bürohaus Luisenpark paßt er trotzdem. Links und rechts präsentieren sich hier
im Untergeschoss nämlich tatsächlich Glanzlichter der regionalen Szene. Vielseitig und aus spannenden
Blickwinkeln stellen sie sich der Frage nach Kommunikation im Raum.
Philipp Morlock ordnet seinen Reisekutschen als dem "Zimmer auf Rädern" Epochen und Menschentypen zu. So finden
in den Holz-, Draht- und Lackarbeiten Stan und Oliver ihr Pendant genauso wie Francis Drake. Das kleine Glashaus von
Ursula Steuler gegenüber ist bestückt mit Handarbeit von Migarntinnen, mit denen sie Deutschkurse absolviert -
im Tausch gegen Gehäkeltes. Schon einen Blick weiter hat Konstantin Voit den "Werbeblock" ausgepackt. Seine knalligen
Bilderserien zeigen Figuren und Piktogramme, die uns bekannt vorkommen. Aber etwas ist anders, denn Voit hat sie ergänzt,
verändert, weiterentwickelt, so daß die Motive wieder für sich alleine stehen.
Großformatige Schwarz-Weiß-Ölbilder präsentiert die Jüngste der Künstlergruppe, die 1981 geborene
Andrea Thiede. Mit ihr blicken wir auf die Straße vor ihrem Fenster. Schemenhaft schleichen graue Gestalten vorbei. Sie bleiben
unnahbar, kehren die Straße, halten ein Schwätzchen und berühren uns doch mit ihrer seltsamen Melancholie. Zart und
filigran schließen sich die Arbeiten Myriam Holmes an, die auf Holz, Papier, Aluminium und Stoff Farben und Formen verwebt und
collagiert, Fäden, gezwirbelte Drähte und hölzerne Stäbe aus der Fläche hinaustreten läßt. Die
Malerei auf Schullandkarten des Gastkünstlers Edgar Schmandt hingegen ist nicht leise. Brachial bahnen sich hier Panzer ihren Weg,
dröhnen Kampfjets, scheint die Welt auseinanderzureißen.
Märchenhaft erscheinen dagegen die Fotografien von Susanne Neiß, die vier Arbeiten ihrer Serie "Alice" präsentiert.
Die gebürtige Wormserin arbeitet ohne technische Tricks, erzählt ihre traumhaften Geschichten auschließlich durch das
Spiel mit Unschärfe, Licht und Farbe. Ein Eisberg, ein Wald, ein Haus, ein Paar Frauenbeine - das sehen wir. Dahinter aber steckt
vieles mehr. Ganz ohne Mystik kommen dann die Fotoarbeiten von Sylvia Ballhause aus. Sie hat sich in Zellen von Haftanstalten auf die
Suche nach im Kleinen gestalteteter Privatsphäre begeben. Entstanden sind auf diesem Weg - obwohl Ballhause keine Personen abbildet -
intensive Begegnungen.
Tatsächlich in den Raum hinein ragen die Plastiken von Silvia Wille. Heftbinder, Tüten, Folien oder sonstiges aus Kunststoff
tackert sie zu assoziativen Formen zusammen, die eine fast zärtliche Ästhetik ausstrahlen. Alltagsgegenstände kommen auch
bei Gerhard Fuchs zu neuen Ehren. Aus Taucherflossen, Tennisschlägern und Ventilatoren werden futuristische Installationen, die
zwar einem Satelliten oder Gartenhäcksler ähneln, hinter denen sich aber etwas ganz anderes verbirgt. Ganz gezielt mit dem
zweigeschossigen Ausstellungsraum spielt Barbara Hindahl in ihrer Installation aus selbstklebender Folie. Über Wand, Boden und
Wendeltreppe scheint sich ein chaotisches "Krickelkrakel" zu ergießen. Erst von einem bestimmten Standpunkt, ergibt sich aus allem
ein gegenständliches Motiv.
Auch Videokunst ist auf der Biennale vertreten: Superart.tv von Eric Carstensen und Michael Volkmer mit ihrer Arbeit "BW11", die elf
Schachpartien an elf verschiedenen Orten der Region abspult, so lange bis der erste Bauer fällt. Außerdem Ruth Hutters Installation
"Pure As Driven Snow", in der fünf amerikanische Generäle die unfreiwillig abstrusen Worte Donald Rumsfelds nachbeten, und Immanuel
Victor Eiselsteins komplexe Video-, Malerei- und Skulptureninstallation "Mussolini", die den Konstrast zwischen der Gestik und dem Charakter
des Demagogen multimedial einander gegenüberstellt.
Ein Signal wollten der Galerist Angelo Falzone und die Kuratorinnen-Kollegen Michaela Dworatzek und Katrin Heitlinger mit dieser regionalen Biennale
setzen. Zeigen, "wieviel künstlerisches Potential in unserer Region steckt", so Dworatzek. Das ist ihnen gelungen. Bleibt zu hoffen: Die nächste
Rhein-Neckar-Biennale kommt bestimmt.
© MANNHEIMER MORGEN - 07.12.2006
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MANNHEIMER MORGEN vom 12. Oktober 2006
Angekreuzt
Preis für Konstantin Voit
Der Mannheimer Künstler Konstantin Voit ist gestern mit dem mit 2000 Euro datierten Preis der Karlsruher Künstlermesse ausgezeichnet worden. Voit, der an der Freien Kunstakademie Mannheim lehrt und mit Schablonen-Bildern bekannt geworden ist, erhielt die Auszeichnungim Rahmen der Eröffnung der an diesem Wochenende laufenden Künstlermesse in der RaumFabrik Durlach, Amalienbad-straße 36, Öffnungszeiten: Sa und So 11-20 Uhr.
© MANNHEIMER MORGEN - 12.10.2006
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MANNHEIMER MORGEN vom 27. Januar 2006
Bekannte Variablen bilden eine Unbekannte
ATELIERBESUCH: Der Mannheimer Konstantin Voit erschafft mit
Schablonen grelle Logo-Bilder und komplexe abstrakte Malerei
Von unserem Redaktionsmitglied Barbara Foerster
Konstantin Voit arbeitet in Mannheim, hat seinen Wohnsitz aber in
Ludwigshafen. Das liegt nicht an dem paradiesischen Angebot an
billigen Atelierräumen in Mannheim, das existiert nämlich nicht. Von
der Stadt geförderte Ateliers sind hier absolute Mangelware. Nein,
der gebürtige Mannheimer hat sich die günstige Lage am Zwei-, ja
eigentlich Dreiländereck zu Nutze gemacht. Mit einem Fuß in
Baden-Württemberg, dem anderen in Rheinland-Pfalz und
herausstechendem künstlerischen Talent konnte er bisher viele
Kunststipendien und -preise der beiden Länder einstreichen. Eine
gängige Praxis von begabten, vom Kunstmarkt noch nicht entdeckten
Künstlern, um zu überleben. Mittlerweile lehrt Voit als Dozent das
Fach "Farbe" an der Freien Kunstakademie in Mannheim.
Voit hat in Hamburg von 1989 bis 1996 bei Malerstar Sigmar Polke
studiert. "Für das Studium war Hamburg und seine Akademie wunderbar,
es gab viele Freiräume", erinnert er sich. "Die Zeit war anregend und
spannend, aber für mich war klar, wieder nach Mannheim zurückzukehren,
hier sind die Leute nicht so übersättigt von Kunst." Der
Kontakt nach Hamburg ist geblieben, dort wird der 41-Jährige von der
Galerie Hohmann vertreten (bis 2002, Anm. des Direktors).
Die Räume in dem früheren Ladenlokal in der Laurentiusstraße 13 sind
ideal zum Arbeiten und Ausstellen. Die hinteren Zimmer dienen dunkel
und kühl als Depot, während eine breite Fensterfront großzügig Licht
in den vorderen zentralen Raum lässt. Hier hat Konstantin Voit in den
letzten Wochen die "XXL-Logos" seiner Malfabrik ausgestellt,
poppig-bunte Kleinformate aus Malschablonen-Motiven, die auf
ironisch-hintersinnige Weise bekannte Firmenlogos zitieren: Das blaue
Quadrat der Deutschen Bank ziert ein stilisierter Turm von Pisa als
Querbalken. VW-Tochter Skoda wird mit einem fliegenden Albatros und
dem Spruch "Einfach. Wunder. Sonderbar" zum exotischen Bruder der
deutschen Traditionsmarke.
Die Raffinesse von Voits Bildern besteht in dem Aufeinanderprallen
von bekannten Variablen, die eine Unbekannte bilden. Das geläufige
Logo, kombiniert mit der universellen Formensprache der Schablone in
industriellen Spraydosen-Farben auf DIN-Format, ergibt ein
künstlerisches Rätsel. "Ist das noch Malerei?", ist die zentrale
Frage. Für seine neue Werkgruppe "Kreuzgang" spiegelt er Schablonen
in Farbschichten übereinander - zu psychedelischen, abstrakten
Mustern. Diese Bilder schwirren bisher nur als Ideen in seinem Kopf
herum, allein Farbexperimente liegen bereits auf dem Atelierboden.
Seine Arbeitsweise ähnelt der eines Wissenschaftlers. Systematisch
erforscht er Gegebenes. Die Muster der Gemälde sind keine Produkte
seiner Fantasie, sondern einer bewussten Auswahl: Motive von Tapeten,
Geschenkpapier, Schrankfolie oder Fotografien. Auf DIN A 1 vergrößert,
werden sie zum künstlerischen Werk.
Der Polke-Schüler arbeitete schon immer konzeptionell. Das
Grundprojekt, aus dem er alle Werkkomplexe schöpft, ist sein
"System", das er 1993 erstellt hat und stetig weiterführt: Ein Archiv
aus 1000 Elementen - Gegenständen, niedergeschriebenen Gedanken,
Zeichnungen, philosophischen Sätzen, mathematischen Formeln. Seine
Autobiografie aus Kunstwerken. Eine dicke Mappe dokumentiert jedes
Element, erklärt seine Bedeutung und ordnet es in das System ein. Die
erste Schablone, die 1995 die Initialzündung für seine Malfabrik
bildete, ist nur ein Element dieses Archivs. Man kann sich Voits
Kunst vorstellen wie ein Haus mit tausend Zimmern, und für die
Malfabrik hat er die Tür "Schablone" aufgestoßen. "Aber welche Tür
ich als nächstes öffne, ist ungewiss", erklärt Voit seine
Arbeitsweise. Vielleicht ist es das unbenutzte Rubbellos, das für
verpasste Chancen steht, oder das zerknitterte Papier, das die
Ausdehnung von Fläche in den Raum symbolisiert.
© MANNHEIMER MORGEN - 27.01.2006
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WELT KOMPAKT vom 22. November 2005
XXL-Logos - Die Welt in Schablonen
Whis-Katz und das Federvieh - wie so ein Ensemble endet, gehört zum wahren Leben. Über 1000 Kinder-Malschablonen hat Konstantin Voit gesammelt, um mit naiv reduziertem Linienspiel und plakativen Konsum-Assoziationen, nicht ohne Witz, die Welt abzubilden. 60 von 108 solcher wandfüllenden XXL-Logos sind bis 28.01. in der Mannheimer Malfabrik, Laurentiusstraße 13 zu sehen. Mit dabei: Camel, Chiquita & Co. Internet: www.malfabrik.de
© WELT KOMPAKT - 22.11.2005
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Stadtmagazin MEIER, Ausgabe November 2005
Konstantin Voit / Der Werbeblock
Von Eva Mayer
"Aus Nichts Kunst machen" - diese Vorstellung fasziniert Konstantin Voit seit nunmehr 10 Jahren. Der 40-jährige Künstler und selbsternannte Direktor seiner Mannheimer Malfabrik arbeitet mit KIndermalschablonen und meint in diesem Falle mit "Nichts" die Aussparungen in den bunten Plastikscheiben. Über 1.000 Exemplare hat der Absolvent der Hamburger Hochschule für Bildende Künste inzwischen angesammelt: Ein auf Umrisslinien reduziertes, in Kategorien wie "Fußball", "Bauernhof" oder "Wohnzimmer" eingeteiltes Abbbild der Welt. Eine Verbindung zu den prägnanten, symbolhaften Formen der Werbelogos liegt da fast schon auf der Hand. Konstantin Voit hat sie nahezu alle mit Hilfe seines Schablonenrepertoires nachgebaut: Nike, Karamalz, BMW, Milka, Klosterfrau Melissengeist, Kodak, Dr. Oetker - die Auswahl ist so bunt wie Bilder selbst. Manche sind so perfekt imitiert, dass erst auf den zweiten Blick auffällt, dass das Kamel im Camel-Logo und der Chiquitta-Affe irgendwie anders sind. Abseits einer reinen Entsprechung der Formen ergeben sich dabei auch - oft humoristische - inhaltliche Bezüge. Den schrägen Balken etwa im Logo der Deutschen Bank ersetzte Voit durch den schiefen Turm von Pisa, den Schriftzug des Papiertaschentuch-Herstellers Tempo durch einen Zug, den von Knorr durch einen (knurrenden) Hund. In seiner Produzentengalerie in der Mannheimer Neckarstadt zeigt er nun Wand füllend 60 von 108 Logos im XXL-Format, für die er die Schablonenvorlagen auf DIN A1 vergrößerte. Ziel dieser Präsentation ist es auch, den Werbelogos ihren Status als Bilder zurück zu geben.
© Eva Mayer 2005
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Stadtmagazin MEIER, Ausgabe Januar 2005
Greinert & Voit / Kronleuchten
Von Eva Mayer
"Du sollst Dir ein Bild machen" - "Du sollst Dir kein Bild machen": Auf diesen simplen Nenner ließe sich der Künstler-Dialog von Konstantin Voit und Hans Greinert in der Rudolf-Scharpf-Galerie bringen. Eine solche, an formalen Ähn-lichkeiten festgemachte Präsentation ist nicht unproblematisch, in der Ausstellung "Kronleuchten" aber funktioniert sie.
Konstantin Voit und Hans Greinert befassen sich mit dem Abbild von Welt in ganz unterschiedlichen Ansätzen. Voit hat sein Form- und Farbenrepertoire auf industriell gefertigte Kinder-Malschablonen und handelsübliche Sprayfarben begrenzt. Nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten sprayt der 39-Jährige gespiegelte Motive wie "Fußball" oder "Dinosaurier" teils deckend, teils transparent lasierend übereinander. Der steigende Abstraktionsgrad lässt sich in der mehrstufigen Arbeit "Kronleuchter" ablesen. Dort stellt Voit die Frage nach der Grenze zwischem realem Abbild und Abstraktion. Ausschließlich mit Motiven aus seiner Schablonensammlunjg imitiert Voit in seinem Werbeblock Logos und Signets bekannter Marken (Foto).
In den Arbeiten von Konstantin Voit entstehen aus dem Nichts - den Aussparungen der Schablonen - Bilder. Hans Greinert hingegen ummalt die Leere. Von einem zarten kontrastierenden Schein umgeben, schweben die an breite Ringe erinnernden pastellfarbenen Bilder des Städel-Absolventen vor der Wand. Bei längerer Betrachtung verschwimmen ihre räumlichen Dimensionen. Seinen "Zweifel am Bild" drückt der 43-Jährige mit einem Paradox aus: der malerischen Form der Bildverweigerung.
© Eva Mayer 2005
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RHEIN-NECKAR-ZEITUNG vom 22. Dezember 2004
Die Logik des Logos
Objekte von Hans Greinert und Bilder von Konstantin Voit in der Rudolf-Scharpf-Galerie in Ludwigshafen
Von Milan Chlumsky
Konstantin Voit hat im Laufe der Jahre über 1000 Malschablonen gesammelt, die für Kinder produziert werden. Sie dienen ihm dazu, Logos und Piktogramme auf ein DIN A4-Format zu übertragen. Darunter sind so bekannte Namen wie Ferrari oder Skoda, Lufthansa oder der Katzenfutterhersteller Whiskas. Deren Logos sind so geläufig, dass sie im Unterbewusstsein gespeichert sind. Nun hat Voit die geläufige Symbolik etwa des Lufthansaemblems unmerklich verändert. Es ist nicht mehr der Kranich, der sich mit dem Flugzeug in die Lüfte erhebt, sondern ein Kolibri. Der Kranich ist dagegen im Skoda-Emblem gelandet, und bei Whiskas sind es Vögel, die sich das Futter schmecken lassen.
Alle anderen Attribute lässt der 1964 in Mannheim geborene und bei Sigmar Polke an der Hamburger Kunsthochschule ausgebildete Künstler unverändert. So bleiben Form und Farbe erhalten, nur das semantisch bedeutende Element wird ausgetauscht. Voit nennt dieses Ensemble von etwa 100 Logos "Werbeblock" und zielt damit auf die Praxis der seriellen Malerei, die seit den 60er Jahren (vor allem in Andy Warhols Siebdrucken) die Pop-Art bestimmte. Mit Witz und Ironie unterwandert er die Prinzipien einer fabrikgemäßen Kunstherstellung.
Der "Werbeblock" sowie die in den letzten Jahren entstandene Serie "Kronleuchter", in der sechs Schablonen in einer mathematisch genau berechneten Abfolge so verzahnt sind, dass sie - innerhalb einer Reihe von 63 Bildern - abstrakte Bilder erzeugen, sind ein komplexer Versuch, die Grenzen der Malerei und der Wahrnehmung auszuloten.
Auch Hans Greinert (Jahrgang 1961) stellt die visuelle Wahrnehmung des Betrachters in Frage. Er bemalt beidseitig dünne runde Holzscheiben mit einer Öffnung in der Mitte. Da diese "Bilder" eine Handbreit von der Wand entfernt aufgehängt sind, reflektieren die etwas intensiveren Farben auf der Rückseite so stark, dass sie die farbliche Wahrnehmung auf der Vorderseite verändern. Auch eine Serie von länglichen monochromen Bildstreifen auf der Vorderseite wird von der Lichtreflexion auf der Hinterseite so stark beeinflusst, dass sich der Betrachter anstrengen muss, um den wahren Farbwert der monnochromen Streifen zu erkennen.
Der an der Frankfurter Städelschule ausgebildete Maler führt eine Diuskussion fort, die die Moderne des 20. Jahrhunderts eröffnete: nämlich darüber, was ein "Bild" und ein "Nicht-Bild" ist, das zweifelsohne in den Bereich der Kunst gehört. Denn bei Greinert ist das "Bild" (die Vorderseite) nicht ohne das "Nicht-Bild" (Hinterseite) denkbar, wobei auch das hereinfallende Licht eine große Rolle spielt.
© RHEIN-NECKAR-ZEITUNG - 22.12.2004
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MANNHEIMER MORGEN vom 22. Dezember 2004
Umschreibungen des Nichts
AUSSTELLUNG: Konstantin Voit und Hans Greinert in der Ludwigshafener Scharpf-Galerie
Von unserem Redaktionsmitglied Barbara Foerster
Insbesondere in der Malerei, die von vielen Leuten immer noch als Königsdisziplin der Bildenden Kunst betrachtet wird, ist es für junge Künstler schwer, ihren eigenen innovativen Stil zu finden. Alles scheint bereits durchexerziert worden zu sein. Trotzdem kann schon das kompromisslose Festhalten an einem Arbeitswerkzeug zur prägenden Handschrift werden.
Der Mannheimer Konstantin Voit hat für sich die Malschablone entdeckt, 1000 Exemplare besitzt er mittlerweile und experimentiert mit ihnen schon seit Jahren. Nun könnte man glauben, dass ein Oeuvre, das allein aus Schablonen-Bildern besteht, unendlich langweilig sein müsste, denn schließlich bieten Schablonen allein stereotype Formen. Aber Konstantin Voit versteht es spielerisch oder mit pseudo-wissenschaftlichen Techniken in jedem seiner Malblöcke ein gänzlich neues Formenvokabular zu entwickeln.
Eine Ausstellung in der Ludwigshafener Rudolf-Scharpf-Galerie fächert diese Bandbreite anhand von drei Werkserien auf. Für den "Werbe-Block" komponierte Voit bekannte Firmenembleme aus Einzelbildern verschiedener Schablonen nach. Stets natürlich den vorgegebenen Schablonen ausgeliefert, mal mit offensichtlich-ironischen, mal mit nur subtilen Abwechslungen. Zum Teil erscheinen uns diese gesprühten Gemälde so deckungsgleich mit unseren Erinnerungsbildern, dass sie echter wirken als die Originale. Eine Raubkatze im Sprung auf monochromem Grund: Haben sich die Schablonen-Hersteller am Puma-Logo orientiert oder war es vielleicht sogar umgekehrt?
In den beiden anderen Serien zeigt Voit, wie sich die kleinen Bilder, die eigentlich als Platzhalter für einen festgelegten Bedeutungsrahmen fungieren, durch Techniken der Reihung, Verdoppelung und Spiegelung auf ihre Form, auf das Spiel von Negativ und Positiv reduzieren lassen. "Matrix" (Block 9) umfasst dagegen ornamentale Kompositionen in psychedelischen Neonfarben.
Voits Arbeiten stellte Martin Blume, der Kurator der Ausstellung die Farbreflexionen von Hans Greinert gegenüber. Der Künstler mit seinen runden Bildern, die das Zentrum des Kreises als Leerraum bewußt aussparen, lenkt den Blick des Betrachters auf den Umraum. Auf die weiße Wand, die durch die rückseitige Bemalung von Greinerts Werken farbig flimmert, sodass die Kunst mit ihr zu verschmelzen droht. Für Greinert ist dies eine gemalte Bildverweigerung, die Umschreibung des "Nichts". Schade nur, dass diese versuchte Darstellung der "Abwesenheit" in der Rudolf-Scharpf-Galerie an der sehr reellen Raufasertapete der Ausstellungsräume scheitert, die jeden gewünschten Leerraum zu einem lebhaften Spiel von Licht und Schatten werden lässt, der sich deutlich vom Bildgrund abhebt.
Das Arbeiten mit dem "Nichts" sei das verbindende Glied zwischen beiden ausgestellten Künstlern, meint Martin Blume. Und da mag er - wenn auch unbeabsichtigt - doppelt recht haben. Zum einen sind Konstantin Voits Schablonenbilder natürlich ebenso Ausmalungen von Aussparungen. Eine konzeptuelle Gemeinsamkeit der beiden Künstler, die sich jedoch hier im konkreten Gegenüber in nichts auflöst: Voits farbkräftige Werkblöcke und Greinerts zarte pastellene "Nicht-Bilder" haben sich visuell leider "nichts" zu sagen.
© MANNHEIMER MORGEN - 22.12.2004
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MANNHEIMER MORGEN vom 9. Oktober 2003
Wenn Kunst nicht verkauft werden will
AUSSTELLUNG: Die Mannheimer Heart Gallery zeigt 22 Positionen zum Thema "Der schöne Schein - Kunst und Geld"
Von unserem Redaktionsmitglied Barbara Foerster
Seit zwei Jahren ist die Heart Gallery in Mannheim ohne eigenen Ausstellungsort. Aber die Aktivitäten der Galerie sind, seitdem sie im September 2001 aus ihren angestammten Rämen in G 7 ausziehen musste, nie abgebrochen. In Mannheim fanden immer mal wieder ortsbezogene Aktionen statt, ob in Form einer "Mobilen Bar" in der Langen Nacht der Museen oder eines Films für die Kulturwochen im Jungbusch. Nun aber gibt es bis 18. Oktober wieder eine größere Ausstellung der Künstlerinitiative zu sehen - in einem Lagerraum des Instituts für Raumfreiheit im Jungbusch.
In diesem wunderbar als Ausstellungsort geeigneten Raum ist unter dem Titel "Der schöne Schein - Kunst und Geld" eine wilde Mischung an künstlerischen Positionen zu dem alten, stets aktuellen Thema der Ökonomie der Kunst zu sehen. Über diese Problematik diskutieren die Mitglieder der Heart Gallery in ihrer monatlichen Radiosendung "If only my heart had a voice" auf bermuda.funk 105,4 seit längerer Zeit mit Kuratoren, Journalisten und Künstlern.
Es ist außerdem ein Thema, das sehr zum Selbstverständnis der Galerie passt. Denn von ihren Anfängen 1994 an hat sie sich laut Programm "abseits des marktgängigen Kunstbetriebs" gestellt und Künstler gezeigt, "deren Schaffen nicht auf eine warenförmige Produktion gerichtet ist".
Für die jetzige Schau haben Eva Mayer und Christian Finkbeiner 22 Künstler (neun aus der Region) angesprochern, mit denen sie bereits zusammengearbeitet haben, und um Werke zu diesem Thema gebeten. Fast alle Werke eigen sich - wohl bewusst - in ihrer Gattung (Fotos, Videos, Malerei, Objekte) zum Verkauf auf dem Kunstmarkt. Aber sie reflektieren zumeist mit einem Augenzwinkern ihren Geldwert oder wie bei Christoph Rauch das Klischee des Genies am Rande des Existenzminimums. Rauch fotografierte den Inhalt der Börsen aller hier beteiligten Künstler und läßt den Preis der Fotos nach dem abgebildeten Eurobetrag bemessen.
Der Mannheimer Jörg Fischer nahm das Thema wörtlich und befestigte den Schriftzug "l'argent" (Silber) an der Wand. Wie für die Ausstellung gemacht scheint auch eine alte Arbeit des Welde-Kunstpreisträgers Konstantin Voit: In seiner Malfabrik können sich Kunden einen Schriftzug aus Schablonensymbolen malen lassen, die Voit entworfen hat. Die Preise bemessen sich nach Arbeitsaufwand, Materialkosten, aber auch nach dem Lustfaktor ("der Grad an künstlerischer Herausforderung, einen Bildauftrag auszuführen"). Eine sehenswerte Schau, die allerdings sehr unterschiedliche Qualität bietet.
© MANNHEIMER MORGEN - 09.10.2003
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MANNHEIMER MORGEN vom 17. Juni 2003
Angekreuzt
Konstantin Voit erneut geehrt
Der Mannheimer Künstler Konstantin Voit bekam nach dem Weldekunstpreis 2003 nun auch den Kunstpreis der Stadt Bühl überreicht. Mit Werken aus seiner Malfabrik konnte Voit, der in Hamburg bei Sigmar Polke studiert hat, die Jury überzeugen.
© MANNHEIMER MORGEN - 17.06.2003
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BADISCHES TAGBLATT vom 24. Mai 2003
Konstantin Voit erhält Kunstpreis
Den diesjährigen Bühler Kunstpreis für Malerei verlieh OB Hans Striebel gestern Abend an Konstantin Voit aus Mannheim. Der 38-Jährige gewann den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis. Förderpreise über 1500 und 1000 Euro gingen an Melanie Richter (Plüdershausen) und Anna Ingerfurth (Stuttgart). Die siegreichen Bilder und die Werke sechs weiterer Künstler, die in die engere Wahl kamen, sind bis zum 15. Juni im Friedrichsbau ausgestellt, der Eintritt ist frei.
Kunstpreisträger Konstantin Voit arbeitet auf DIN A4-kleinen Leinwänden mit gesammelten Zeichenschablonen und Spraydosen. Viele Einzelbilder hat er in Bühl in drei thematischen Blöcken aufgehängt (Foto). Sie zeigen verfremdete Flaggen, Verkehrsschilder oder Werbelogos. Der einstige Student Sigmar Polkes an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste legte 1996 sein Diplom ab, erhielt vier Stipendien und war bislang in über zwei Dutzend Ausstellungen vertreten. Seit anderthalb Jahren lebt Voit wieder im Badischen.
"Es freut mich sehr, in der Heimat auf diese Weise Anerkennung zu finden", sagte er dem BT. Das Preisgeld sichere seine künstlerische Tätigkeit für das nächste halbe Jahr. Die Bilderausstellung "Realwelten - Gegenwelten" ist samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie montags bis freitags von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Foto: J. Eiermann
© BADISCHES TAGBLATT - 24.05.2003
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WELDEWELT Ausgabe 2/03
Erste Editionsflaschen schnell vergriffen
"...and the winner is". Der WeldeKunstpreis ist ausgelobt. Die Jurypreise gehen nach Mannheim (Konstantin Voit) für "Werbeblock", nach Düsseldorf (Uwe Zimmermann) für "Der Heiratsschwindler" und nach Berlin (Milena Aguilar) für "Sei wie Du ißt, iß was Du wirklich willst". Die neu geschaffenenen Regionalpreise gewinnen Tamara Vuckotic (Karlsruhe) für "Nike" und Jochen Frisch (Speyer) für "Torso". Bei der Preisverleihung im Foyer der Sparkasse Schwetzingen lobte der Schirmherr, Finanzminister Gerhard Stratthaus, das Kunstengagement von Welde ebenso wie den innovativen Mut der Brauerei, neue Wege zu gehen. Der WeldeChef dankte dem Finanzminister und der Sparklasse für die vorbildliche Unterstützung des WeldeKunstpreises. Die ersten Editionsflaschen mit den preisgekrönten Kunstwerken als Etikett waren schon kurz nach ihrem Erscheinen vergriffen.
© WELDEWELT - Ausgabe 2/03
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MANNHEIMER MORGEN vom 30. April 2003
Heiratsschwindler und Törtchen
Konstantin Voit holt sich mit Schablonen den Kunstpreis
Der Welde-Kunstpreisist entschieden. Die Sparkasse widmet den 25 besten Werken eine Ausstellung. Der Kunstverein zeigt im Juli eine Werkschau der Künstler, denen die Jury-Preise zugesprochen wurden. In diesem Jahr wurden vier sehr unterschiedliche Werke aus dem Bereich Malerei und eine Fotografie prämiert. Die Preisträger kommen aus Mannheim, Düsseldorf und Berlin (Jurypreise) sowie aus Speyer und Karlsruhe (Regionalpreise).
Der Hauptpreis der Jury ging an den "Werbeblock" des Mannheimer Künstlers Konstantin Voit. Das 16-teilige Werk verfremdet Symbole aus dem Wirtschaftsleben. Für die Editionsflasche wurde das Symbolbild "Lucky Strike" ausgewählt, das einen Kampfbomber im Sturzflug steigt. Hierzu merkt der Künstler an, dass die Wirklichkeit die Kunst eingeholt habe. Der 38-jährige Voit, der in Mannheim aufgewachsen ist und in Hamburg studierte, erzeugt mit bekannten Formen und Farben spürbare Assoziationen, die gleichzeitig stutzen lassen. In seiner "Malfabrik" geht er vor allem mit Spraxtechnik (durch diesen Druckfehler kam der Name von Block 10 zustande: SPRAX, Anm. des Direktors) und Schablonen vor, die er dann mit anderen Symbolen verfremdet und doch die Wiedererkennbarkeit sichert. Zugrunde legt Voit Werbelogos bekannter Firmen, Verkehrsschilder oder Länderflaggen. Da er mit Grundfarben sprüht, kann er auf Bestellung arbeiten, so dass es richtig ist, sein Atelier als "Malfabrik" zu bezeichnen.
(...)
Die Editionsflaschen von Welde sind ein beliebtes Sammlerobjekt. Liebhaber zahlen bis zu 250 Euro für eine ungeöffnete Flasche aus den ersten Editionen 1995. Alle Werke sind käuflich zu erwerben. Welde vermittelt dabei gerne den Direktkontakt zum Künstler. Ab sofort sind die Bierkästen mit dem Welde No 1 und je einer Editionsflasche im Handel zu haben. jüg
© MANNHEIMER MORGEN - 30.04.2003
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[Blick in die Ausstellung]
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CHEMNITZER ZEITUNG vom 26. MÄRZ 2003
Werbe-Blöcke lassen Geist der Betrachter spielen
Mannheimer Künstler stellt im Voxxx aus
Von Uwe Rechtenbach
"Kein Zweifel, das kenne ich doch. Aber was stimmt daran nicht?" So oder so ähnlich dürfte es wohl in vielen Köpfen der Betrachter gearbeitet haben, als sie zur Eröffnung der Ausstellung "Werbe-Block" in der Chenmnitzer Voxxx-Galerie vor den 100 Tafeln von Konstantin Voit standen.
Doch woher diese Irritation? Sie stammte vielleicht daher, dass der gebürtige Mannheimer Künstler mit Sehgewohnheiten spielt, indem er Werbesymbole nur so weit entfremdet, dass der Wiedererkennungseffekt erhalten bleibt. Und so lässt sich genüsslich rätseln, welche Ursprungsmarke als Ausgangspunkt für die jeweilige Abbildung herhalten musste. Ob Zigarettenfirma, Autoproduzent oder Pflegemittelhersteller, sie alle finden sich in Voits Werken angedeutet wieder.
Spannend an der Darstellung sind vor allem die Wirkungen, die die Bilder trotz aller Verfremdung beim Betrachter erzielen. Denn unbewusst setzt der Geist parallel doch wieder das ursprüngliche Markenzeichen zusammen, was dann diesen speziellen Aha-Effekt auslöst. Und hier zeigt sich, wie stark diese farbige Welt der Werbesymbole bereits in unseren Alltag eingedrungen ist. Insofern dürfen sich die Werbefachleute auf die Schulter klopfen, denn sie haben ihren Job sichtlich gut erledigt, wenn ohne Probleme 100 Markenzeichen in unserem Gedächtnis abrufbar sind.
Doch dieser psychologische Effekt ist Konstantin Voit gar nicht so wichtig. Denn wenn er auch gern mit dem Geist spielt, geht es ihm um Anderes. Alles was er bildlich umsetzt, entsteht mit Hilfe von Schablonen. Gut 1000 unterschiedliche hat er bereits gesammelt. Darauf finden sich Tiere, Gebäude, Pflanzen, Früchte oder Fahrzeuge in sehr vereinfachten Formen. Und diese Vereinfachung sieht Konstantin Voit nicht einmal als künstlerische Beschränkung. "Ich weiß immer genau, was ich mit Schablonen malen kann und was nicht. Und so kann ich mich mehr auf das Spiel mit den Formen und Farben konzentrieren", erklärt der Künstler.
Neben seinem "Werbe-Block" sind in der Ausstellung aber auch andere "Schablonen-Arbeiten" zu sehen, bei denen durch Mehrfachspiegelung von vorgegebenen Formen eine Art Bild entsteht, das an Scherenschnitte oder Ornamentteile erinnert. Und auch dabei lässt Voit wieder das Spiel mit der Wahrnehmung und dem Geist von vorn beginnen.
© CHEMNITZER ZEITUNG - 26.03.2003
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Stadtmagazin MEIER, Ausgabe Juni 2002
Kunst für Einsteiger
Konstantin Voit
Können Sie sich vorstellen, dass mit Hilfe von Kinderschablonen Kunst entsteht? Vermutlich nicht. Doch es geht! Konstantin Voit (37) ist ein Schablonenkünstler. Sein Formenschatz: 500 Schablonen. Seine Farbpalette: handelsübliche Sprayfarben. Der Mannheimer stellt sich nicht mehr die Frage "Was bilde ich ab?", sondern "Wie gehe ich mit den vorhandenen Formdaten um?"
Die Basis von Voits Malfabrik ist ein Bildsystem mit 64 Bildern im DIN A4 Format. Sie dienen als Orientierung seiner Kunden, die daraus ihr individuelles Kunstwerk bestellen können. Der Verkaufspreis berechnet sich dabei aus Arbeitsaufwand, künstlerischem Aufwand, Materialkosten und Schablonenverschleiß. Die entscheidende Rolle spielt der Lustfaktor: Fühlt sich der Absolvent der Hamburger Akademie künstlerisch herausgefordert, geht er mit dem Preis runter. "Der bewußt kommerzielle Gedanke der 'Malfabrik'", so Konstantin Voit, "bewegt das einzelne Bild in den Grenzbereich zwischen Unikat, Auflagenobjekt und Auftragskunst."
Für die MEIER-Edition hat der Polke-Schüler das Paarbild "Adam & Eva" als Ausgangspunkt genommen. König Kunde kann sich auf dieser Grundlage sein individuelles Paarbild gestalten lassen, denn er wählt selbst Buchstaben, Farben und Attribute aus der Welt der Schablonen aus. Egal ob Mann/Frau, Mann/Mann, Frau/Frau oder auch der Lieblingsfetisch: Konstantin Voit, Direktor der Malfabrik, erfüllt jeden Wunsch.
© Eva Mayer 2002
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RHEIN-LAHN-ZEITUNG vom 10. Mai 2000
Die Welt durch Schablonen gesehen
Der Balmoral-Stipendiat Konstantin Voit benutzt die bei Kindern beliebten Vorlagen für seine Motivserien - Kunst als Spiel
"Ich bin ein Systematiker", sagt der 35-jährige Balmoral-Stipendiat Konstantin Voit über sich selbst. Seine Bilderserien entstehen mit Hilfe von Schablonen in der "Malfabrik" unter bewusstem Verzicht auf eine individuelle künstlerische Handschrift.
Von Petra Foede
Der Balmoral-Stipendiat Konstantin Voit ist ein systematischer Künstler. Das merkt man nicht nur daran, dass sein Arbeitswerkzeug sorgfältig aufgereiht an der Wand hängt. Seine Bilderserien bestehen in der Regel aus 64 Motiven im DIN A4-Format, was zusammen der Größe einer Plakatwand entspricht. Und sein Hauptwerkzeug sind Malschablonen - genau diese farbigen Vorlagen aus Plastik mit Tieren, Häusern, Autos etc., die wir eigentlich alle aus unserer Kinderzeit kennen.
In Bad Ems hat Voit eine Serie mit Flaggen-Motiven hergestellt, wobei die Landesfarben den Hintergrund der Schablonen-Symbole bilden. Sie sollen jeweils einen Bezug zum Land herstellen, zum Beispiel Tulpen für Holland, Möbel für Schweden, Fußballer für Italien... "Die Motive wirken netter als sie sind", macht der Künstler aber klar. Die Küchengegenstände bei Kolumbien sollen zum Beispiel für Drogenküche stehen, Kinderkleider bei Thailand für Kinderprostitution.
Vor fünf Jahren hat der 35-jährige gebürtige Mannheimer angefangen, mit Schablonen und Farbspray zu arbeiten und sogenannte Musterblocks herzustellen. Alle Leinwandmotive sind auch in einem Katalog enthalten und können von Interessenten bestellt werden - entweder identisch oder als beliebige Variation, jeweils mit Preisangabe.
"Malfabrik" nennt Voit seine Arbeitsweise, die bewusst eine Abkehr vom individualistischen Unikat ist, eine spielerische Annäherung an die kommerzielle Auftragskunst. Entsprechend sollen seine Bilder auch aussehen wie maschinell gefertigt: "Ich will den Eindruck der eigenen Handschrift so gut wie möglich tilgen." Für einen Künstler eigentlich paradox.
Konstantin Voit aber fühlt sich durch die Festlegung auf die Schablonen-Malerei in seiner Kreativität nicht eingeengt, obwohl Schablonen als schematische Vorlagen jede Individualität zu verhindern scheinen. Doch diese gewisse Begrenzung ist für den Stipendiaten die Basis seiner Arbeit. Dadurch könne er sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich die Malerei. "Kunst ist für mich wie ein großes Spiel - mit Regeln, mit Lösungen, mit passenden Kombinationen", erklärt er. Jedes Projekt ist gewissermaßen die Spielaufgabe, die er sich selbst stellt.
Und bei Kunst als Spiel ist es nicht ganz unpassend, auf Kinder-Werkzeug zurück zu greifen, eben die Schablonen. Mittlerweile besitzt Voit rund 500 davon in verschiedenen Größen, davon 80 im bevorzugten DIN A4-Format. "Im Moment kommen aber keine neuen mehr auf den Markt", bedauert er.
Möglicherweise sind die Schablonen-Hersteller nicht so ideenreich wie der Künstler. Er sitzt bereits an den nächsten Serien, "ich arbeite immer parallel an Dutzenden von Ideen". Die ersten Entwürfe entstehen am Computer. In Vorbereitung ist ein Block mit verfremdeten Verkehrsschildern, wobei Schablonenmotive die Originalsymbole ersetzen. Auf dem "Überholverbot" sind so zum Beispiel zwei Sessel zu sehen. Das Ganze ist durchaus witzig gemeint. Folgen soll ein Projekt mit Werbesymbolen.
Symbole stehen im Mittelpunkt von Konstantin Voits Arbeiten. Die Schablonen sind für ihn wie "Buchstaben des Alphabets, mit denen ich arbeite". Ihr Einsatz ist daher nicht beliebig. Ohnehin ist für den Stipendiaten nichts beliebig, denn letztlich ist er auf der Suche nach der "Ordnung der Dinge", nach dem System, das vielleicht in Allem steckt: "Es geht mir darum, Zusammenhänge in der Welt zu erkennen, Systeme zu sammeln und darzustellen - und mein Symbol ist eben die Schablone."
© RHEIN-LAHN-ZEITUNG - 10.05.2000
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