| Block 1 | Block 2 | Block 3 | Block 4 | Block 5 | Block 6 | Block 7 | Block 8 | Block 9 | Block 10
Block 10
Equinox (119)
Block 9
Names-> (175)
Shapes (42/435) (german)
Block 1 - 8
Cloister (5)
Poker (10)
Matrix (71)
Sprax (16)
Helix-> (32)
Logos-> (168)
Signs (64)
Flags (64)
Kaleidosc.-> (60)
Chandelier (63)
Chess-> (82)
Pattern Block (64)
--------------------
Variations-> (52)
Extras
Special Editions (5)
Fan Articles (5)
Catalogues (3)
Poster (2)
Shopping Cart more
0 Products
Special Offers
New Products more
Poker  ::  Picture 10
Quick Find




Advanced Search


<img src="images/Silverstencil.gif"><br><br>


[bitte klicken]

Katalogtext zur Ausstellung LIONS ART, Mannheimer Kunstverein 2008


Zu den Namensbildern von Konstantin Voit


Von Sarah Debatin



Seit einigen Jahren schon macht es sich Konstantin Voit zur Aufgabe, in seiner Malfabrik erschwingliche und ungewöhnliche Kunstwerke nach Kundenwunsch anzufertigen. Das schon fast Held-der-Arbeit-hafte Motto lautet "Kunst für alle - Alles für die Kunst!" und wird mit großer Energie und marktwirtschaftlichem Geschick verfolgt. Dabei hilft die Tatsache, dass alle Bilder, die er in sogenannten Blöcken organisiert, keinen Unikatcharakter haben, sondern in Auflagen von, je nach Werkgruppe, max. zehn bis zwanzig in der hauseigenen Manufaktur hergestellt werden. Als Fabrikdirektor - und einziger Ange-stellter - herrscht er über ein Reich aus Sprühdosen, Leinwänden und zahlreichen anderen Utensilien, von denen später noch die Rede sein wird.

Seit 2005 widmet sich Voit der Serie der Namensbilder. Dabei handelt es sich um Portraits, die nicht die Gesichtszüge des Dargestellten zeigen, sondern seinen Namen in Verbindung mit Symbolen abbilden. Sie sind, für die Dauer der Ausstellung LIONS ART im Block gehängt, auf der Galerie des Mannheimer Kunstvereins zu sehen.

Gegenstände und Attribute spielten in der Bildnismalerei immer schon eine wichtige Rolle. Sie verweisen auf den Stand und die Interessen des Dargestellten und sagen im Idealfall etwas über seinen Charakter aus. Wenn Konstantin Voit den Namen, den sein Bild tragen soll vom Auftraggeber erfragt, dann gleicht das einer Therapiesitzung. Er erkundigt sich nach dem Temperament des Dargestellten, danach was ihn begeistert, was ihn beschäftigt und ausmacht. Dann wählen Auftraggeber und Künstler gemeinsam aus einer bereits bestehenden Liste Motive aus, die die Buchstaben des Namens im Bild ergänzen. Oft sind dies Dinge, die mit den Lettern im Bild korrespondieren, z.B. I-N-A: Indianer, Nashorn, Astronaut. Dem Künstler bleibt überlassen, wie er Name und Motiv zusammen bringt, das Bild komponiert und die Fülle der Einzelelemente möglichst harmonisch auf dem vorgegebenen Format von 30 x 40 cm oder 60 x 80 cm vereint.

Eine Untergattung der Namensbilder zeigt Prominente, Künstler, Städte, Länder, Romanfiguren und Filme, wie zum Beispiel den Western Zwölf Uhr mittags, den Regisseur Alfred Hitchcock, den Maler Gerhard Richter, Michel aus Lönneberga und die Meuterei auf der Bounty. In dieser Serie bestimmt der Künstler selbst, welche Figuren und Gegenstände mit dem einzelnen Namen in Verbindung gebracht werden und regt den Betrachter an, seinen Assoziatioonen zu folgen und sie zu entschlüsseln. Die Bilder werden auf der Website des Künstlers und in Ausstellungen gleichberechtigt mit den privaten Namensbildern präsentiert, so dass der Betrachter rätseln muss, ob es sich bei "BUSTER" und "FRANZ" um echte Prominenz oder um Normalsterbliche handelt. Die Symbole können weiterhelfen, wenn sie auch oft verschlüsselt sind. So steht der jonglierende Clown in "FRANZ" für den Ballkünstler Franz beckenbauer. Wenn man ein Detail entschlüsselt hat, ergeben sich auch die übrigen meist wie von selbst, oder man wird überhaupt erst auf ein verstecktes Detail aufmerksam.

Konstantin Voits Porträts sind Rätsel, in die die Lösung schon klar eingeschrieben ist. Sie tragen in Großbuchstaben unmissverständlich zur Schau, wen sie darstellen. Zugleich sind sie nur für diejenigen lesbar, die den Porträtierten tatsächlich gut kennen. Und das, obwohl sie so einfach und naiv wie Piktogramme daherkommen. So wahren sie bei aller Verspieltheit eine Exklusivität, die erst auf den zweiten Blick zutage tritt.

Die Namensbilder zeugen im positivsten Sinne von geradezu kindlichem Gestaltungswillen, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie fröhlich-bunt sind und ihnen ein typisches Kinderzimmerutensil zugrunde liegt: die Malschablone.

Mehr als 3000 Exemplare dieser aussterbenden Art hat Konstantin Voit in den letzten Jahren gesammelt und katalogisiert. Sie sind - neben der Farbe, die aufgesprüht wird - das ausschließliche Gestaltungsmittel seiner Bilder. Was sich nicht auf Schablone findet, muss durch ein formal oder gedanklich naheliegendes Element ersetzt werden. Auch die Buchstaben und Zahlen auf Konstantin Voits Namensbildern oder sonstigen Werken entstammen dieser Sammlung und wurden auf das jeweilige Format hochgerechnet und ausgeplottet.

Beschränkung und künstlerische Freiheit sind die Eckpunkte seines Schaffens, und in der Tat besticht im Werk Konstantin Voits der unbedingte Wille zur Unterordnung unter "das System". Das System ist eine Sammlung von philosophischen Ideen und künstlerischen Prinzipien, popkulturellen Verweisen und Gegenständen, die den Künstler zum Teil schon seit seinem Studium beschäftigen und inspirieren. Es ist äußerst komplex, bestehend aus Hunderten von Einzelelementen, die aufeinander verweisen und miteinander verbunden sind wie ein vielmaschiges Netz. In ihm wurzeln alle bestehenden und künftigen Werke, und damit ist es der wichtigste Schlüssel zu den unendlichen Weiten von Voits Bilder- und Gedankenwelten.

Diese Weiten auszuloten, fällt schon bei der Werkgruppe der Namensbilder schwer. Um einiges komplexer sind jedoch die neu entstandenen, großformatigen Arbeiten, die in der Mannheimer Ausstellung erstmals zu sehen sind. Auch auf ihnen finden sich Figuren aus den Schablonen wieder, doch geht Konstantin Voit in dieser Serie viel freier mit seinem Bildvokabular um. Er verfremdet die bekannten Malfabrikmotive, löst sie auf und ergänzt sie mit freier Malerei. Der Entstehungsprozess ist im Vergleich zu den Kleinformaten viel komplexer, da der Künstler statt zur Sprühdose zum Pinsel greifen muss, um der Leinwandgrösse von 240 x 170 cm beizukommen. Hinzu kommt, dass sich das Werk aus zahlreichen Einzelschichten aufbaut, die einander überlagern und teilweise auch durch die darüber liegenden Schichten hindurch noch zu sehen sind. Dabei entsteht ein Gemälde aus vielen, übereinandergelegten Bildern. Jede Stufe ist für sich schon sehenswert, aber der Vorgang ist langwierig und erst abgeschlossen, wenn Konstantin Voit das Gefühl hat, das alles stimmt und das Bild die notwendige Ausgewogenheit erreicht hat.

Speziell für die Ausstellung und die Mannheimer Lions-Clubs hat Konstantin Voit das offizielle Lions-Emblem bearbeitet und entsprechend seiner Logo-Serie ironisch gebrochen. Das "Lie on"-Logo ist als Edition erhältlich und soll den jungen Geist der zweiten LIONS ART Schau unterstreichen.

Konstantin Voits Bilderkosmos wächst und entwickelt sich beständig weiter, das zeigen nicht zuletzt die neuen, großformatigen Gemälde. "Paint on - mal weiter!" möchte man dem Künstler zurufen.


© 2008 Sarah Debatin


Sarah Debatin ist Kuratorin beim Kunstverein Ludwigshafen.








[bitte klicken]

Katalogtext zur Ausstellung DAS KRONLEUCHTEN in der Rudolf-Scharpf-Galerie des Wilhelm-Hack-Museums, Ludwigshafen a. R. 2004


Zum Werbeblock von Konstantin Voit


Von Peter Stamer



Die Malfabrik

Der Künstler Konstantin Voit ist Fabrikdirektor. Er leitet eine Malfabrik, in der Bilder in Serie hergestellt werden: Tatsächlich orientiert sich Konstantin Voit in seiner Arbeitsweise an industriellen Fabrikationsprinzipien, wonach die Produktion von Waren und Gegenständen nach standardisierten Verfahren erfolgt. Voits Standard ist der bildnerische Einsatz von Motiv-Schablonen, mit denen er für seine im DIN-Format gehaltenen Bildserien Figuren oder Piktogramme auf monochrom grundierte Farbflächen aufsprüht.

Schablonen, in Kindermalsets oder auch Nutellagläsern zu finden, sind industriell gefertigte und weltweit vertriebene Massenwaren, die eine zunehmend internationalisierte Formen- und Zeichensprache etablieren helfen. Formal verdichtet tragen sie im Negativ alle wesentlichen Bildinformationen, die durch Nachzeichnen der Umrisse im Bild ins Positiv verkehrt werden, wobei allerdings immer nur das in sie gestanzte Bildschema realisiert werden kann. Schablonen bilden damit die Blaupause eines riesigen Formenrepertoires, dessen Verbreitung auf der identischen Reproduktion der jeweiligen Mustervorlage beruht.



Logo und Logik

Es ist genau dieses Prinzip der Wiederholung und Verdichtung, in dem sich die Logik der Schablone mit jener des Werbelogos trifft. Werbelogos wollen die positiven Eigenschaften eines Produkts oder einer Marke in einem einzigen, markanten Schriftzug oder Piktogramm kurzschließen und darüber eine formal knappe, inhaltlich jedoch reiche Botschaft kommunizieren.

Diese semantische Verdichtung des Logos soll einen hohen Wiedererkennungswert und Unverwechselbarkeit garantieren, damit das Logo durch penetrante Medien- und Alltagspräsenz schließlich mit der Marke oder dem Produkt eindeutig identifiziert werden kann. Logos ziehen ihre Wirkmächtigkeit und Suggestionskraft aus dieser symbolischen Einfachheit und ikonischen Wiederholung. Sie setzen sich dadurch im allgemeinen kulturellen Bildgedächtnis fest und sind daraus leicht abrufbar.



Marken und Zeichen

Für seinen in den Jahren 2001 bis 2003 entstandenen hundertteiligen Werbeblock macht sich Konstantin Voit dieses Marken- und Bildwissen zunutze. Er transformiert dabei die Logos, Schriftzüge oder Piktogramme von bekannten Markenartikeln durch von Schablonen bereitgestellte und standardisierte Formen, Zeichen, Bilder. In das Signet von Klosterfrau hat er das Bild eines englischen Gardesoldaten integriert, im weißen Nike-Logo lässt er einen Indianer Kanu fahren, das große, gelbe und geschwungene 'M', das weltweit für Fastfood der Firma McDonald's wirbt, wird hier markiert durch die Fühler eines angedeuteten Schalentiers. Die vom Original bekannte und überlieferte Farbkombination sowohl von Bildhintergrund wie auch Signet behält Konstantin Voit bei.

Voits Veränderungen der Warenlogos folgen insgesamt den Transformationsverfahren der Hinzufügung und Ersetzung. Zum einen ergänzt der Künstler die bekannten grafischen Elemente durch Figuren oder objektbezogene Bildzeichen. Das kapitale 'N', das für Neckermann-Reisen steht, wird von einem Luxusdampfer gekreuzt, während im roten Martini-Label zwei Liegestühle nebst Tisch zur blauen Stunde einladen. Diese piktografischen Ergänzungen schießen dem Logo zusätzliche Informationen zu, die, manchmal ironisch brechend, manchmal inhaltlich begleitend, auf den Verwendungszweck der Marke aufmerksam machen. Innerhalb des weißen Fuji-Rahmens auf grünem Grund sind deshalb mit dem Arc de Triomphe oder der Freiheitsstatue die Piktogramme von bekannten Wahrzeichen von Weltstädten zu finden, die von Urlaubern immer wieder – mit Filmen von Fuji ? – fotografiert werden.



Tausch und Täuschung

Zum anderen substituiert Voit die mit einem Produkt assoziierten Formen oder Schriftzüge durch andere Bildzeichen. Für die Lufthansa schwebt bei Voit ein Kolibri anstelle eines Kranichs durch die Lüfte, während die vier Buchstaben von IKEA durch Piktogramme aus der Wohnwelt dargestellt werden. Die Ersetzungen erfolgen teilweise so unspektakulär, dass es mitunter mehrerer kontrollierender und vergleichender Blicke bedarf, um die Unterschiede überhaupt erst auszumachen, wie im Falle Skoda. Und dennoch scheint jede noch so kleine ikonische Differenz gerade erst die Wirkmächtigkeit von Form und Farbe der Logos aufs Neue zu bestätigen.

Durch das Prinzip des Informationszuschusses und der Substitution schließt das neue Logobild die Marken- mit der eigentlichen Wortbedeutung kurz und zeigt deren assoziative Kraft und semantische Tiefe. Für Tempo ersetzt Voit den Schriftzug durch das Bild eines temporeichen Schnellzuges, das, zwischen die beiden Geschwindigkeit verheißenden Strichschwünge gesetzt, auf die Doppeldeutigkeit des Markennamens anspielt und das Produkt als ein 'schnell griffbereites' beim Wort nimmt. Zwischen die Umrisse eines kleinen Jungen und eines Mädchens, die für die beiden Buchstaben der Bekleidungskette C & A stehen, setzt Voit das Piktogramm eines Drehkreuzes, wie es häufig in Eingangsbereichen von größeren Kaufhäusern zu finden ist. Das Bildzeichen verweist jedoch nicht nur auf das thematische Feld 'Kleidergeschäft', es steht, in einer übertragenen Bedeutung, als (Dreh-)Kreuz auch für das Plus-Zeichen, welches im Sinne der verbindenden Kopula 'und' den Markennamen erst vervollständigt.

Voit versetzt die Original-Signets mit ikonischen und semantischen Zwischentönen, die ein Verweisungsspiel und einen Bedeutungsaustausch der Bilder und Wörter auslösen und über die ökonomische Indienststellung der Bildmetaphern hinausdeuten. Der Malfabrikdirektor und Künstler erobert damit den massenhaft zirkulierenden Labels und Logos ihren Status als reine Bilder zurück. Dass ihm das mit Hilfe von Bildschablonen, von industriell gefertigter Massenware also, gelingt, ist selbst wiederum zum persönlichen Markenzeichen des Künstlers geworden.


© 2004 Peter Stamer


Peter Stamer lebt als freier Theater-Kurator in Wien und Berlin.








[bitte klicken]

Katalogtext zum Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen KÜNSTLERDORF SCHÖPPINGEN, 1998


Zur Malerei von Konstantin Voit


Von Stefan Grübbeling



Block II - Die Welt als Schablone

Schablonen sind verallgemeinerte Abbilder einer auf Wiederholung angelegten Welt. Ihr reduktiver Charakter betont Eigenschaften, durch die sich der einzelne Gegenstand als Mitglied einer Gruppe auszeichnet. Sie sind der Versuch, den Dingen ihre individuelle Erscheinung zu nehmen. Im Gegensatz zur Kunst, wo subjektive Weltsicht ihren gezielten Ausdruck findet (was bis zur völligen Auflösung der Form führen kann), versucht die Schablone für ihre Darstellungen genau die Typologie zu finden, die im Bewußtsein des Betrachters unmißverständlich zum Begreifen eines Objekts notwenidg ist. Schablonen bilden keine real existierenden Gegenstände ab, sondern deren Begrifflichkeit. Insofern sind sie Piktogrammen bzw. Symbolen ähnlich. Was sie von diesen unterscheidet, ist - neben der Eigenschaft, ein bereits "fertiges" Bild der Welt zu sein - ihre Funktion als Hilfsmittel, mit der diese erst abgebildet werden soll (Wer hängt sich schon eine Schablone ins Wohnzimmer?). Schablonen verzichten auf die Endgültigkeit einer Darstellung. Jeder Gebrauch - und dafür werden sie produziert - führt ihnen handelndes Subjekt und individuelle Erscheinung wieder zu. Die häufig geäußerte Kritik, wonach der Umgang mit Schablonen die kreative Entfaltung einschränkt, wird damit widerlegt: es sind Werkzeuge, wertfrei wie Pinsel,. Bleistift und Papier.


Block II - Ein Projekt der Malfabrik

In der Malfabrik wird nicht an, sondern mit einem möglichen Abbild der Welt gearbeitet, die zu Gruppen geordnet und in ihrer Darstellung auf Umrißformen reduziert wurde. Die Schablone bestimmt nicht nur die Form- bzw. Motivdaten, sie fordert gleichzeitig das DIN-Format als Bildgröße und die Spraydose als Malmittel. Durch die Verbindung verschiedener Normsysteme wird der Künstler zum Monteur einer Bilderwelt, wie sie - in ihre Einzelteile zerlegt - tagtäglich jedermann begegnen kann, sei es am Schreibtisch, im Baumarkt oder der Spielwarenabteilung. Dabei ist ihm durchaus bewußt, daß Systeme eingrenzenden Charakter haben. Gerade die Beschränkung der Mittel bildet das inhaltliche und formale Fundament seiner Arbeit. So wie sich manche Künstler gezielt auf wenige Bildmotive konzentrieren (z.B. Portrait, Landschaft, Stilleben), um innerhalb fester Genre-Grenzen ihr malerisches Potential auszuloten (und vergleichen zu können), überträgt Konstantin Voit diese Methode der Reduzierung auf die Wahl des Materials selbst. Die numerische Grenze der verwendeten Mikttel definiert die Struktur seines Kunst-Systems, sie bildet den "natürlichen" Rahmen und bedeutet in diesem Zusammenhang: Freiheit in der Ausführung. Die Schablone wird für den Künstler zum "Einstieg in die Welt" und die beinahe wissenschaftliche Untersuchung des Materials zum Krtistallisationspunkt einer malerischen Auseinandersetzunmg. Der serielle Produktionsprozess der Malfabrik (ebenso wie Bildgröße und Bildmaterial aus der speziellen Machart der Schablonen abgeleitet) wird bei Bock II verfeinert, indem einmal entworfene Bildideen übernommen, miteinander kombiniert und in einen erweiterten Zusammenhang gestellt werden.


Block II - Spielregeln möglicher Freiheit

Der Vorteil eines Spieles ist seine Konzentration auf Wesentliches. Da nur ein Ausschnitt von Wirklichkeit bearbeitet wird (ein durch Spielregeln verkleinertes Raum- und Zeitgefüge), sind Entscheidungen in ihrer Konsequenz unmittelbar ablesbar. Das Spiel als abstraktes Wirklichkeitsmodell ist ein Übungsplatz eigener Entscheidungen, die in ihrer Wirkung ständig überprüft und perfektioniert werden können. Jedes Spiel birgt die Möglichkeit, durch die Verfeinerung von Spielzügen ökonomisch sinnvoll und damit erfolgreich zu arbeiten. Bereits das Basissystem der Malfabrik bedient sich solch klar definierter Spielregeln. Das gilt für die Größe des Spielfeldes (Leinwand), für die Spielfiguren (Schablonen, Sprayfarben) und für die erlaubten Spielzüge (Bildideen). Als Spielmaterial werden gezielt Formen verwendet, die durch ihre millionenfache Verbreitung zur alltäglichen Erfahrung geworden sind: Schablonen, Sprayfarben, das DIN-Format. Indem der Künstler diese als "gesetzt" betrachtet, löst er die für ihn paradoxe Situation auf, sowohl regelnden wie ausführenden Einfluß zu nehmen (womit jedes Spiel seinen Reiz verliert). Er öffnet sein Spiel nicht nur möglichen anderen Teilnehmern, sondern kann sich aktiv daran beteiligen. Die Spielregel für Block II lautet dabei: Möglichst alle Formen mit möglichst allen Farben, unter Verwendung möglichst weniger Bildideen, aber möglichst vieler Ordnungssysteme, auf einer Fläche zu verarbeiten, die der des ersten Blocks der Malfabrik entspricht. Das vorliegende Resultat kann nur als Möglichkeit verstanden werden; es ist die persönliche Lösung eines teilnehmenden Spielers.


Block II - Strategie und Zufall

Die einmal festgelegte Spielroute führt Block II (über insgesamt vier Zwischenstufen) zu einem Ergebnis, das trotz der strengen Spielregeln nicht vorausgesagt werden kann: diese bilden lediglich die Voraussetzung für den freien und souveränen Umgang mit dem Zufall. Block II lebt aus der Spannung ordnender Strukturen und einer Fülle nicht vorhersehbarer Brüche, die das starre Korsett der einzelnen Ordnungssystem kontinuierlich aufweichen. Ein Gleichgewicht, das sich selbst trägt und - bei allen Regeln und Beschränkungen - das Reich der Poesie erst öffnet. Das rhythmische Auf- und Abtauchen der Schablonen an den Schnittstellen der Bildtafeln wird so zum Herzschlag einer Malerei, die Farbe zwar als Form behandelt, sich dieser jedoch nicht unterordnet. Im Gegenteil, das Figurative scheint sich im Abstrakten zu verlieren und setzt sich erst bei näherem Hinsehen gegen dieses durch. Der unspektakuläre und gleichförmige Abbildcharakter der Schablonen führt der Farbe wieder die Freiheit zu, die sie - Folge eines ökonomisch sinnvollen Umgangs mit dem Material Schablone - verloren hatte. Daß dabei die "Ordnung der Dinge" ein dem Menschen innewohnendes Prinzip ist, lassen bereits Kinderzeichnungen erkennen, die bei aller Spontanität oft merkwürdig strukturiert erscheinen und die fortwährende Suche des Menschen nach Systematik innerhalb einer an sich fremden Welt dokumentieren.


© 1998 Stefan Grübbeling


Stefan Grübbeling lebt als Freier Texter in Freibung i. Br.


Next
The Stencilman
The Idea
The Product (ger.)
The Stencils (ger.)
The Colours (ger.)
The Manager
The System (ger.)
--------------------
Photos I (12)
Photos II (12)
Texts (3) (ger.)
Press (20) (ger.)
Clients (at work)
The Stencils
DIN A4 (74)
Italy (24)
The System
First Stencil (1)
System M (238)
Film lists (5/271)
Yes, I want mail!
Name


E-mail Address



Languages
Deutsch English
Information
Conditions of Use
Shipping & Returns
Privacy Notice
--------------------
Links
Contact
Imprint
--------------------
Gallery

* Not certified, but very probable with a collection of over 3000 stencils, collected since 1993.

Copyright © 1964-2010 Konstantin Voit